2. Tag: Adlergebirge und Praděd

Nové Město nad Metují - Orlická magistrála - Králíky - Kouty nad Desnou - Praděd (133 km)
Streckenprofil 2er Tag
Straße im Adlergebirge
Einsame Straße im Adlergebirge (Orlické hory)
Radweg im Altvatergebirge
Schotterpiste vor Chata Svýcárna
Radweg im Altvatergebirge
Kreuzung vor Chata Svýcárna
Um halb neun komme ich in Nové Město los. Die Straßen sind feucht, aber es regnet nicht. Zuerst geht es nach Deštné v Orlických horach, ein Touristenort, quasi das Tor zum Adlergebirge. Dort kaufe ich erstmal für den Tag ein. Es ist Sonnnabend, wer weiß, wann ich wieder einen offenen Laden finde. Der erstandene Orangensaft entpuppte sich als dickflüssiger Sirup. Mit Mineralwasser 1:1 verdünnt kommt er in die Trinkflaschen. Hm, schön süß, schmeckt fast wie Isodrink. Weiter fahre ich auf Radweg 22 (die Nummer kenne ich von gestern schon) hinauf zum Sattel (Šerlich) bei knapp 1000 m. Und ich stehe nicht mal im Nebel. Das heißt aber nicht, dass ich hier einen schönen Fernblick habe - alles voller Bäume hier. Dann geht es sanft hinab auf einer neu gemachten, kaum befahrenen Straße. Die Straße verläuft im Tal des Flüsschens Divoká Orlice, an der Grenze zu Polen. Die verstreuten Häuschen auf der Wiese erinnern mich etwas an Jizerka im Isergebirge. Eine wunderbar ruhige Gegend. Auf dem etwa 40 km langen Stück durch das Adlergebirge bis zur Abfahrt nach Mladkov begegne ich etwa 20 Autos, 2 Bussen, einem Radfahrer und einer Skirollerfahrerin. Danach folgt ein weniger ruhiger Abschnitt bis nach Králíky. Dort mache ich 12:30 Uhr auf dem Marktplatz Mittagspause.
Mit Králíky habe ich mein Minimal-Tagesziel erreicht. Eigentlich war heute Regen angesagt, aber das Wetter hält durch. Also geht es weiter in Richtung Altvatergebirge (Hrubý Jeseník): hinab nach Hanušovice (dabei zaghafter Nieselregen) und über Jindřichov und den Přemyslovské sedlo ins Tal der Desná. Auf der Abfahrt saue ich mich total ein, da die (schlechte) Straße feucht und voller Blätter und Zweige war. Und schon 14:40 Uhr bin ich in Kouty nad Desnou. Der letzte Ort unterhalb des Praděd. Hier wollte ich eigentlich übernachten. Da aber noch Zeit ist, entschließe ich mich, den 900 Höhenmeter zählenden Anstieg doch noch heute in Angriff zu nehmen. Oben findet sich auch was für die Nacht. Mit einem Biss in den Energieriegel läute ich die Höhenmeterfresserei ein. Bevor die Serpentinen der Hauptstraße 44 hinauf zum Červenohorské sedlo beginnen, biege ich rechts Radweg 6157 ab. Auf noch brauchbarem Asphalt geht es erstmal 6 km hinauf zur Kreuzung bei der Chata Petrovka. Ab dort kommt der unbefestigte Radweg 6075. Teilweise kann man noch ganz gut fahren, meistens ist es jedoch lästiger Schotter, so dass das Rennrad mächtig am Limit ist und ich sehr zu tun habe, nicht ständig wegzurutschen. Ich wußte von diesem Abschnitt, und zähle seine 3,5 km runter. Die vergehen sehr langsam. An den ganz steilen Stücken, wo der Schotter besonders grob ist, muss ich dann doch mal schieben. Ab und zu kommen Mountainbiker den Weg runtergehoppelt. Aber auch sie haben zu tun, nicht die Kontrolle zu verlieren. Runter möchte ich hier nicht mit Rennrad fahren! Irgendwo über 1200 m Höhe tauche ich in die Wolken ein. Und als ich die Chata Svýcárna erreiche, ist nur noch Nebelsuppe zu sehen. Dafür hat die Schotterpiste ein Ende.
Altvatergebirge im Nebel
Ausblick auf 1200m bevor ich ganz im Nebel verschwinde
Gipfelfoto auf dem Praděd
Gipfelfoto auf dem Praděd
Freudentrunken über das Überstandene, wieder Asphalt unter den Rädern und das Ziel zumindest vor dem geistigen Auge, geht es wieder flott voran. Das Altimeter nähert sich den 1491 m. Kurz vor dem Gipfel taucht der Turm aus dem dichten Nebel auf. Oben. 16:20 Uhr. Statt Sonne und Ausblick gibt es 6°, Wind und Nebel. Aus rein sportlicher Sicht geht das in Ordnung, aber wenn man das als Radurlaub betrachtet, dann hat man doch jetzt einen Ausblick verdient. Schade. Vom Turm sehe ich auch nur das unterste Stück - genug um die Tür zum Hotel Praděd finden. Leider ist kein Zimmer frei. Ich vermute mal, das Hotel hatte zu, ich kann mir nicht vorstellen, dass bei dem Wetter da oben alles voll ist. Im Restaurant saß keine Menschenseele. Wieder draußen treffe ich 2 Polen, die auch hinauf geradelt sind. Wir schmipfen übers Wetter. Aber wir sind nicht die einzigsten mit Rad hier oben. Ich rolle den Berg hinab und halte die Augen nach Hotels und Bergbauden offen, die laut Karte hier an der Straße hinab nach Karlova Studánka zu finden sein sollen. Gleich beim ersten klappt es. Ich bekomme ein Zimmer im Sporthotel Kurzovní. Es ist etwa 180 Höhenmeter unter dem Gipfel gelegen.
Was für ein Tag! Ich hatte nicht geplant, schon am zweiten Tag bis hinauf zu fahren. Und morgen kann ich nochmal fix rauf zum Praděd, vielleicht ist ja dann weniger Nebel.
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