1. Tag: Riesengebirge

Szklarska Poręba - Špindlerův Mlyn - Vrchlabí - Rokytnice - Harrachov (91 km)
Streckenprofil
Anstieg zum Slezske Sedlo
Anstieg zum Slezske Sedlo
Von Szklarska Poręba nach Harrachov sind es Luftlinie weniger als 10 km. Auf der Europastraße E65 vielleicht 12 km. Jedoch bleiben einem dann etliche Höhenmeter und Ausblicke verwehrt. Darum wählte ich die Strecke über Špindlerův Mlyn. Von der polnischen Seite führt eine kleine Straße, nur für Wanderer und Radfahrer, hinauf zum Riesengebirgskamm oberhalb vom tschechischen Špindlerův Mlyn. Dort gibt es einen offiziellen Wanderer-Grenzübergang.

Von Szklarska Poręba muss ich diese Straße erst einmal erreichen. Ich nehme die kleinen "Straßen" die parallel zum Kamm nach Przesieka führen. Zwar sind sie alle als Radwege ausgeschildert, jedoch stellt die Qualität des Belags allenfalls ambitionierte Moutainbike-Fahrer zufrieden. Ich zumindest holpere mehr schlecht als recht durch den Wald, trotz allem aber froh, Höhenmeter gespart zu haben. Denn die Hauptstraße währe von Szklarska Poręba erstmal weit runter gegangen. Zudem wurde gerade gebaut, was eine sehr bergige Umleitung zur Folge hatte. Ab Przesieka geht es dann - wohlgemerkt auf Asphalt! - fast ohne Serpetinen geradewegs hinauf zum Riesengebirgskamm. Fast 700 Höhenmeter am Stück werden verlangt - mit bis zu 20% steilenen Rampen, wie es in freundlichem gelb auf die Straße gepinselt zu lesen ist. Motivierend wirken dagegen die Kilometerangaben, wie weit es noch bis oben ist. Und ich bin dankbar, nur das allernötigste an Gepäck mitgenommen zu haben. Ich mag mir diesen Anstieg nicht mit einem voll gepackten Fahrrad vorstellen! Da der Tag noch jung und die Beine frisch sind, komme ich ganz gut hoch. Oben auf dem Slezske Sedlo - knapp 1200 m - gibt es Parkplatz, deutsche Touristen und kühlen Wind. Schnell die Windjacke drüber und rein ins tschechische. Viele Bauden und Restaurants tümmeln sich an diesem Flecken, denn von tschechischer Seite kann man mit dem PKW (allen voran deutsche Touristen) und dem Bus (wohl eher die Einheimischen) bis hinauf zum Sattel fahren. Kurz bevor es richtig hinab geht, bietet sich ein schöner Blick ins Tal der Bilé Labe (Weiße Elbe):
Blick vom Riesengebirgskamm
Blick vom Riesengebirgskamm nach Süden in Richtung Špindlerův Mlyn
Elbe-Stausee bei Špindlerův Mlyn
Elbe-Stausee bei Špindlerův Mlyn
Nun kommt die Pause auf Rädern: rollend hinab nach Špindlerův Mlyn. Aber Achtung, Schlaglöcher und Kurven verlangen Aufmerksamkeit! Im Ort zapfe ich erstmal Kronen am Geldautomat, fahre aber gleich weiter, die Hautpstraße im Elbtal hinab in Richtung Vrchlabí. Am Elbe-Stausee verweile ich kurz für ein Foto, ansonsten fahre ich schnell runter, bei leichtem Gegenwind. Im Lebensmittelladen von Hořejší Vrchlabí setze ich einen kleinen Teil meines Geldes in Nahrhaftes um. Danach geht es hinauf nach Mrklov, eine dieser schönen kleinen Straßen, wo man auf dem etwa 5 km langen Stück nur 2 Autos begegnet. Oben auf der Höhe vor dem Ort mache ich Mittagspause. Heute gibt es Brötchen mit Schmelzkäse, Kirschjoghurt, Bananen, Schokowaffel und minerální voda neperlivá. Das alles auf der Wiese bei Sonnenschein mit Blick über Felder, Wälder und Berge - einfach schön!

Nach der Pause folgt die Abfahrt nach Dolní Štěphanice und schon wartet der nächste Berg. Ich treffe nun auf den Radweg 22, der Jizersko-krkonošská magistrála (Iser- und Riesengebirgs-Magistrale). Es geht nun 450 Höhenmeter hinauf. Der immer wieder unterschiedlich starke Anstieg ist nicht leicht, aber dafür wird der Radfahrer von der schönen Landschaft und Blicken zum Ještěd, Černá hora, dem Riesengebirgskamm und vielen anderen Bergen belohnt. Etwa bei Rezek ist der höchste Punkt, ab da geht es auf einer holprigen Hauptstraße hinab nach Rokytnice. Unten dann im Tal der Jizera gönne ich mir ein Eis. Nach Harrachov führt eine große Straße leicht bergan. Im Ort finde ich recht schnell eine sehr ruhig gelegene und überhaupt sehr schöne Pension für die Nacht. Es ist erst halb fünf. Zeit, um auf dem sonnigen Balkon im Cykloatlas zu blättern (von dem ich mir einige Seiten mitgenommen habe). Etwa 1700 Höhenmeter waren es heute, und nicht nur 250, wie bei der Kurzvariante über die E65! Und morgen? Hm, weniger...
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