Milešovka-Radtour

Kletečná und Milešovka
Die Kegelberge Kletečná (links) und Milešovka (rechts), gesehen vom Sněžník
Der Blick vom Osterzgebirgskamm hinab ins tschechische wird - entsprechende Sicht vorausgesetzt - von den Kegelbergen des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) dominiert. Das Gebirge erhebt sich bis auf Osterzgebirgs-Niveau. Der größte, das Wahrzeichen des Böhmischen Mittelgebirges, ist die Milešovka (Milleschauer). Von ihrem 837 m hohem Gipfel könnte man sogar aufs Mückentürmchen runterspucken. Da ich die Milešovka bei meinen Erzgebirgs-Touren häufig sehe, war es ja abzusehen, dass ich der Anziehungskraft dieses Berges nicht lange widerstehen konnte.

Wie üblich erstmal hinein ins Erzgebirge, diesmal via Müglitztal - mit Gegenwind, wie immer. In Schlottwitz habe ich das kurze Glück, einen Eisvogel unter einer Brücke der Müglitz entlanghuschen zu sehen. Dann von Geising hinauf nach Zinnwald und in rauschender Abfahrt die E55 hinab, die lästigen Höhenmeter wieder abbauen. Schnell komme ich so nach Teplice rein. Mein Plan durch die Stadt war: ins Zentrum und dann mal sehen, möglichst im Süden wieder raus. Daraus wurde natürlich nichts: ich irrte im Zickzackkurs durch die Stadt (ohne irgendwas wie einen zentralen Marktplatz zu sehen - habe ich wohl verpasst) und kam dann im Osten in der Nähe von Doubravka raus. Hier war ich wenigstens schon mal gewesen. So fuhr ich dann nach Osten aus Teplice raus, durch Drahkov nach Suché. Dort dann rechts ab und nach Überquerung der Autobahn D8 hinab nach Rtyně. Dieser Ort liegt im Tal der Bílina: das Altimeter zeigt weniger als 180 Höhenmeter an. In Žalany merke ich mir den kleinen Lebensmittelladen: Samstag bis 12 Uhr geöffnet - da schaue ich auf dem Rückweg nochmal vorbei. Das letzte Stück zum Fuße der Milešovka führt mich durch ein schattiges Tal eine wunderbar ruhige Straße zwischen Lelov und Černčice.

Rad am Baum
Fahrradständer am Fuße der Milešovka
Am oberen Ortsende von Černčice verlasse ich die Straße und biege links den blauen Wanderweg ein: Ein schmaler Pfad durch tiefes, feuchtes Gras, gesäumt von Bäumen links und rechts. Hm, nicht wirklich rennradtauglich. Teils schiebend erreiche ich den Waldrand, wo ich mir ein Bäumchen zum Fahrradabstellplatz mache. Es war ja von vornherein klar, das die Wanderwege nichts für Rennradreifen sind. Also war ich entsprechend ausgerüstet, den Rest des Weges auf mein Rad zu verzichten. Ich übergebe also mein Rad der Aufsicht des Waldes und mache mich auf den Fußmarsch zum Gipfel. Zuerst erreiche ich einen breiten Wanderweg (noch unterhalb des Rot markierten!), der von Bílka kommt. Der Belag sieht ganz ordentlich aus, hier könnte man wieder fahren. Aber wenig später, an einem Rastplatz, wird es steinig, schmal und steil. Es sind viele Wanderer unterwegs, auch ein paar deutsche Stimmen kann ich vernehmen. Oben angekommen genieße ich ersmal den Ausblick - die Fernsicht ist fantastisch - und lasse mir einen Teil meines Proviants munden. Auf dem Gipfel gibt es eine Wetterstation mit Turm (und leider Zaun drumherum), einige andere Gebäude, sowie sichtversperrende Funkantennen und Bäume. Nur nach Süden und Osten gibt es einigermaßen freien Blick. Nachdem ich dachte, mich genug umgesehen zu haben, fiel mein Blick auf ein Schild, auf dem mehrsprachig zu lesen stand:
der Aufstieg an der Turm
sowie klingen Sie hier, bitte
Oh, kann man also doch auf den Turm der Wetterstation hinauf? Bevor ich mich entschließen kann, zu klinge(l)n, tun dies bereits 3 Wanderer. Aus dem Fenster des Gebäudes werden wir hineingewunken. Im 1. Stock wird das Eintrittsgeld bezahlt (ich glaube es waren 30 Kronen) und dafür bekommt jeder einen 45 cm langen, schmalen Papierstreifen mit dem Rundumpanoramablick vom Turm drauf. Ein paar weitere Stufen weiter oben dann kann ich diese Aussicht selbst genießen. Traumhaft. Einfach gigantisch der Blick! Es scheint fast so, als liege einem hier ganz Böhmen zu Füßen. Der Blick reicht vom Klínovec bis zum Ještěd, vom Erzgebirgskamm bis zu den vielen Kegelbergen im Süden. Darunter ist auch die Burgruine Hazmburk auszumachen. Und im Osten, hinterm Lovoš, schimmert die Elbe. Ich bin froh, dass ich das nicht verpasst habe!

Blick nach Süden
Blick nach Süden: Kegelberge mit Burgen

Blick nach Norden
Blick nach Norden: Erzgebirgskamm
Fernblicktrunken verlasse ich dann den Gipfel der Milešovka. Und welch eine Freude, mein Rad steht noch da, ist nicht ausgebüchst. Auf dem Rückweg probiere ich den anderen Weg nach Bílka aus. Will heißen: ich schiebe erstmal bis zu diesem hinauf (hatte am blauen Weg unterhalb geparkt) und biege dann links ab. Auf dem Fahrweg, bei dem der Mittelstreifen mit mannshohem Kraut zugewachsen ist, kann man ganz gut hinab nach Bílka fahren. Dies ist definitiv die radtauglichere Variante verglichem mit dem Weg von Černčice aus. Jedoch kommt man ab Bílka nur auf der vielbefahrenen E55 weiter. Auf dem Rückweg ist das kein Problem, gehen doch die 2 km bis nach Žalany nur bergab.

In Žalany kaufe ich erstmal im Konsum ein. Danach fahre ich noch ein weiteres Stück auf der E55, bis zum Abzweig nach Bžany und ab da auf Radweg 231 - im Bogen um Teplice herum - nach Košťany und Hrob. Das alles wieder mal bei Gegenwind - die perfekte Einstimmung für die über 500 Höhenmeter hinauf zum Erzgebirgskamm. Oben gibt es den Blick zurück zur Milešovka und das schöne Stück Erzgebirgsmagistrale nach Cínovec. Ab da meinen Lieblingsweg zurück nach Dresden: Von Zinnwald aus den Waldweg unterhalb des Kahlebergs bis zur Straße von Schellerhau nach Altenberg, dann die B170 zum Abzweig Waldidylle und über Falkenhain, die Hochwaldstraße und durch die Frauendörfer ins Lockwitztal bis nach Dresden.
Was für eine Tour! Die Milešovka werde ich bestimmt wieder besuchen. Für die Statistik: 168 Rad-km und 2280 Rad-Höhenmeter dazu 5 Fuß-km und 300 Fuß-Höhenmeter in etwa 9 Stunden.

Die Route auf bikemap.net

Auf der Homepage der Wetterstation auf der Milešovka gibt es wunderschöne Fotos!
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