350-km-Tour zum Klínovec und Fichtelberg

Dresden - Dippoldiswalde - Moldava - Osek - Most - Březno - Kadaň - Klášterec nad Ohří - Měděnec - Klínovec - Fichtelberg - Měděnec - Hora Svatého Šebastiána - Klíny - Cínovec - Nakléřov - Bahratal - Pirna - Dresden (350 km, 4300 Hm)

Route auf bikemap.net

Erzgebirgskamm bei Jirkov mit dem Funkmast auf der Jedlová
Erzgebirgskamm bei Jirkov mit dem Funkmast auf der Jedlová
Sehenswerte Altstadt von Kadaň
Sehenswerte Altstadt von Kadaň
Der Fichtelberg von der tschechischen Kammstraße aus gesehen
Der Fichtelberg von der tschechischen Kammstraße aus gesehen
In Malý Háj: Blick zurück zu den zwei Großen
In Malý Háj: Blick zurück zu den zwei Großen
Sonnenuntergang auf dem Erzgebirgskamm
Sonnenuntergang auf dem Erzgebirgskamm kurz vor Nakléřov
Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Klínovec und es wurde auch mal wieder Zeit für einen 300er. So entstand mein Plan, mal etwas ungewöhnlich zu den Gipfeln des Westerzgebirges zu fahren: Im tschechischen unterhalb des Kamms, vorbei an Tagebau und Industriestädten. Die Strecke habe ich so gelegt, dass sie die großen Hauptstraßen meidet. Der Rückweg war auf dem tschechischen Erzgebirgskamm geplant.

Moldava 07:20 Uhr, 50 km
Nach Start um kurz nach fünf und dem Aufstieg zum Osterzgebirgskamm geht es nun auf der tschechischen Seite geradewegs wieder hinab, nach Hrob und auf der 27 nach Osek und Lom. Dort links ab auf einer weniger stark befahrenen Route Richtung Most. Auf dem letzten Teilstück vor Most kommen mir im Minutentakt Tatra-Kipper entgegen. Muss wohl was mit dem Tagebau rechts der Straße zu tun haben.

Most 08:34 Uhr, 85 km
Bevor ich die Eisen- und Autobahn überquere, kann ich rechts die letzten Reste von Alt-Most mit der Kirche bestaunen. Die Stadt wurde in den 60ern für einen Tagebau fast vollständig umgesiedelt. So zeigt sie sich auch eher "modern", lässt sich aber dafür geradewegs entlang der Hauptstraße problemlos und ohne viel Verkehr durchqueren. Südlich der Stadt gelange ich auf die 27, biege dann aber gleich rechts ab nach Malé Březno. Es bieten sich schöne Blicke hinüber zum Erzgebirgskamm, welcher von hier unten als große, grüne Wand hinter den bunten Häusern von Chomutov erscheint. Weiter geht es durch leicht welliges Flachland mit Getreidefeldern und ohne Tagebaue via Březno zur Talsperre Kadaň. Hier zieht sich eine mir endlos erscheinende, ebene Straße entlang. Am Kraftwerk Tušimice klappert über mir die Kohle auf Förderbändern vorbei. Direkt am Ortseingang von Kadaň angekommen, weist auch gleich ein Schild links ab zum historischen Stadtzentrum.

Kadaň 10:30 Uhr, 127 km
Der Marktplatz mit dem gotischen Rathaus und seiner Kirche ist absolut sehenswert. Am Kloster entscheide ich mich, dem Radweg entlang der Ohře/Eger eine Chance zu geben. Dazu muss ich wieder ein wenig zurück um runter zum Fluss zu kommen. Die Querung ist etwas abenteuerlich an einem Felsen hinauf zu einem Wehr. Der Radweg schlängelt sich leicht wellig am Fluss entlang, ist aber leider unbefestigt. Besser, man nimmt hier die Hauptstraße nördlich der Ohře um nach Klášterec nad Ohří zu gelangen. Dort nutze ich den kleinen Lebensmittelladen am Marktplatz für eine Pause und vor allem um die Trinkflaschen aufzufüllen. Danach nehme ich Radweg 35 hinauf nach nach Měděnec. Etwas mehr als 500 Höhenmeter sind zu erklettern. Der Anstieg ist gut zu fahren, meist zwischen 4 und 7 Prozent Steigung. Und mit dem Südwind macht es mir richtig Spaß heute. In Měděnec halte mich nicht weiter auf und fahre direkt weiter auf Radweg 36 Richtung Tagesziel. Dank der Zusammenarbeit mit einem anderen Radfahrer komme ich schnell voran.

Klínovec 13:20 Uhr, 165 km
Auch der letzte Anstieg fährt sich noch gut. Oben ist eine schöne Sicht zu den weiter westlich gelegenen Gipfeln des Kamms bis zum Auersberg. Nach dem kurzen Rundgang auf dem Gipfel entscheide ich mich, noch zum Fichtelberg rüber zu fahren - wenn ich schon einmal hier bin. Auf dem Fichtelberg mache ich dann auch Mittagspause. Im SB-Restaurant an der Bergstation der Schwebebahn gibt es leckere Gemüse-Kartoffelpuffer mit Kräuterquark und reichlich Salat. Um 14:40 mache ich mich auf zum Rückweg. Also erst mal wieder rüber ins tschechische, am Klínovec vorbei nach Měděnec und ab Hora Svatého Šebastiána auf dem Radweg 23. So geht es immer auf dem Erzgebirgskamm entlang, mit der Nachmittags- und Abendsonne im Rücken. Von der Landschaft her eines der schönsten Stücke des Tages, zumal die Kraft auch noch reicht, es zu genießen.

Fláje-Staumauer 18:55 Uhr, 259 km
Hier verabschiedet sich die Batterie meines Fahrradcomputers endgültig, nachdem schon seit einer Weile die Höhenanzeige völlige Fantasiezahlen lieferte und zuletzt die Anzeige teilweise ausfiel. Ausgerechnet heute! Ich präge mir den Kilometerstand gut ein und fahre ab nun ohne Instrumente. Trotz der schon recht langen Strecke und immer wieder kleiner Anstiege komme ich aber noch gut voran. Also setze ich meinen Plan um, erst bei Sonnenuntergang vom Erzgebirgskamm runter zu fahren. Dass heißt, es geht nach Cínovec noch oben weiter, vorbei am von der Abendsonne beleuchteten Mückentürmchen bis nach Nakléřov.

Nakléřov 21:10 Uhr, 300 km
Hier muss es irgendwo gewesen sein, dass ich die 300er-Marke überschritten habe. Dank der leeren Batterie kann ich den Moment hier oben aber nicht feiern. Es geht rüber nach Petrovice und ab da das Bahratal hinab bis nach Pirna. Meine Ixon IQ am Lenker sorgt für ordentlich Licht und ich kann uneingeschränkt mit gutem Tempo fahren, auch wenn die Straße ab und an einige Löcher hat. Durch Pirna rolle ich geradewegs bis zum Elbufer und ab da ganz gemütlich den Elberadweg nach Dresden. Langsam macht sich die Müdigkeit bemerkbar. In die Pedale treten geht aber nach wie vor gut.

Dresden 23:00 Uhr, 350 km
Punkt Elf bin ich wieder am Ausgangspunkt der Tour angelangt. Also knapp 18 Stunden. Erst einen Tag später werde ich erfahren, dass es genau für die 350 gereicht hat, nachdem ich das Stück ab der Fláje-Talsperre bei bikemap mit 91 km nachgemessen habe. Und Höhenmeter dürften es ca. 4300 sein. Also habe ich nicht nur endlich mal wieder einen 300er geschafft, sondern auch noch die vier Jahre alte Bestmarke von 329 km deutlich übertroffen. Was für ein Tag!
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