Klínovec-Radtour

Der Turm und der Radfahrer auf dem Klínovec
Auf dem Klínovec
Zwei Sachen waren an der Fichtelberg-Radtour noch zu verbessern: Erstens war die Route nicht die schönste und zweitens ist der Fichtelberg nicht der größte. Die schönste Route ins Westerzgebirge verläuft oben auf dem Kamm, auf der tschechischen Seite. Man braucht nur der Krušnohosrká magistrála (Erzgebirgsmagistrale) zu folgen, immer auf kleinen Straßen, immer ein wenig auf und ab, aber nicht zu viel. Dort trifft man dann auch auf den höchsten Berg des Erzgebirges, den Klínovec. Mit 1244m ist er um 30m größer als der Fichtelberg. Höchste Zeit, das mal abzuradeln! Also, am 11.6.2006 das Rad geschnappt und los...
Dresden 5:55 Uhr, 0km
In aller Frühe geht's los. Erst das Lockwitztal hinauf, hinter Kreischa rechts ab das Hirschbachtal rüber nach Dippoldiswalde und dann die Bundesstraße bis nach Schmiedeberg. Dort rechts ab und im Pöbelbachtal und im Tal der Wilden Weißeritz bis kurz vor Rehefeld-Zaunhaus. Dort biege ich ab zum Grenzübergang Neurehefeld/Moldava.

Moldava 8:15 Uhr, 48km
Hier bleibe ich - abgesehen von der Ampel in Dippoldiswalde - das erste mal stehen. Es gibt lecker Rosinenbrötchen. Von Moldava fahre ich weiter hinauf Richtung Nové Město, biege aber vorher rechts eine kleine Straße Richtung Fláye mit dem Radwegweiser 23 ab. Diesem Radweg - der Erzgebirgsmagistrale - werde ich nun etwa 70km lang folgen. Er ist gut ausgeschildert. Die Karte kann man wegpacken - es sei denn, man will wissen, was auf einen zukommt. Zuerst geht es etwas durch einen Wald vom Winter gezeichneter Bäume, dann lichtet sich der Wald und der Blick ist frei über die Felder und Berge. Dazu eine Asphaltstraße ganz für dich allein und der Rückenwind - einfach fantastisch. Ab hier sollte man sich etwas mehr Zeit zum Genießen nehmen. Im Tal kann ich schon die Talsperre Fláye funkeln sehen.

Die Talsperre Fláye in 740m Höhe
Die Talsperre Fláye in 740m Höhe
Fláye 9:00 Uhr, 60km
Es geht über die Staumauer und dann wieder leicht hinauf nach Klíny. Zwischendurch kann man zum ersten mal Blicke hinab ins Tal, Richtung Litvínov, erhaschen. Dann geht es runter nach Mníšek.

Mníšek 9:45 Uhr, 74km
Es geht nun parallel zur Grenze leicht hinab nach Nová Ves v Horách. In zwei Stufen geht es dann etwa 250 Höhenmeter hinauf nach Malý Háj. Dort beginnt wieder ein sehr schönes Stück. Rechts ab geht der Radweg eine für Autos gesperrte Straße durch einen Wald immer ein bisschen hinauf und hinab. Man trifft hier nur Radfahrer unterwegs. Langsam mache ich mir sorgen, wo ich meinen Getränkevorrat nachfüllen kann. Da komme ich an einem Rastplatz mit Trinkwasser-Quelle vorbei!

Einmal volltanken bei Volárna
Einmal volltanken bei Volárna
Volárna 10:45 Uhr, 92km
Mitten im Wald an einer Lichtung ein Rastplatz mit überdachter Bank und einem Häuschen, aus dem frisches Wasser sprudelt! Eine prima Gelegenheit für die erste richtige Pause. Danach geht es weiter über Kalek bis zum Grenzübergang Reitzenhain. Dabei ist der Hirtstein mit seinem Turm immer gut zu sehen. Und auch der Klínovec kann sich das erste mal in Szene setzen, hinten am Horizont. Ab dem Grenzübergang ist das einzige Stück, wo man mal 2km Hauptstraße fahren muss. Dabei geht es bergan. Ich war froh, als ich es hinter mir hatte und dem Radwegweiser folgend wieder in die Ruhe des Waldes eintreten konnte. Nun geht es sehr beschaulich weiter, vorbei an Moorgebieten, auf einer Höhe von 900m. Vor der Talsperre Přísečnice kommt dann die letzte größere Abfahrt vorm Gipfel. Am Ufer der Talsperre ist das letzte flache Stück, dann geht es hinauf.

Měděnec 12:55 Uhr, 126km
In Měděnec fahre ich an einem Restaurant vorbei, in diesem Moment macht sich mein leerer Magen bemerkbar. Ich kehre um und kehre ein. Ein Omelett und eine dreiviertel Stunde später setze ich mich wieder aufs Rad. An der Kreuzung in Měděnec endet der Radweg 23, ab hier zeigt die Nummer 36 die Erzgebirgsmagistrale an. Für mich erstaunlich ist, wie wenig befahren die Straße ist. Der Rückenwind macht mir jetzt richtig Spaß, es geht leicht hinauf, jedoch merke ich das kaum. Unterwegs bietet sich mir ein wunderschönes Panorama mit dem Klínovec und dem Fichtelberg. Am Fuße des Klínovec geht es noch mal kurz runter, vorbei an einem großen Hotel. Ab da beginnt der Schlussanstieg. Es sind aber nur 250 Höhenmeter, und die recht gleichmäßig und flach. Der kleinere Ještěd ist ein da ein wesentlich alpinerer Typ. Viel schneller als ich dachte bin ich oben.

Radfahrers Traum: Panorama mit Klínovec (1244m) und Fichtelberg (1214m)
Radfahrers Traum: Panorama mit Klínovec (1244m) und Fichtelberg (1214m)


Klínovec 14:33 Uhr, 143km
Nun, oben ist nicht viel los. Genau auf dem Gipfel ein verfallenes Berghotel mit verfallenem Turm, dann da der charakteristische Funkturm, dort viel Bauschutt und Grundmauern aus vergangenen Zeiten. Im Winter sieht es hier sicher besser aus, wenn die Ruinen vom Schnee bedeckt sind. Dann machen die sichtversperrenden Liftanlagen auch mehr Sinn. Ich bin, zugegeben, etwas enttäuscht! Nicht mal den Fichtelberg kann man sehen, er wird von dem Funkturm und Bäumen versperrt. Nach Süden hat man einen ganz guten Blick. Die schönen Kegelberge, wie man sie beim Blick vom Mückentürmchen kennt, gibt es hier aber nicht zu sehen. Nun, der Weg war das Ziel, das nächste mal kann ich ja wieder zum Fichtelberg fahren - vielleicht. Das Publikum hier oben teilt sich recht gleichmäßig in Fußvolk, Radfahrer und Autotouristen. Etwas unterhalb vom Gipfel gibt es Palatschinken. Nach einer Stunde Gipfelaufenthalt mache ich mich auf den Rückweg. Das Ziel ist der Bahnhof Flöha, bis nach Dresden zurück muss nicht sein, diese Tour soll zum genießen sein.

Sicht vom Klínovec nach Süden
Sicht vom Klínovec nach Süden


Bärenstein 16:06 Uhr, 159km
Nach angenehmen runtergerolle überquere ich am Grenzübergang Vejprty/Bärenstein die Grenze. Von nun an geht es bequem im Pöhlbachtal runter bis nach Wiesenbad, dann abwechselnd auf Radweg und Bundesstraße bis nach Zschopau. Ab hier gibt es im Zschopautal keinen befahrbaren Weg mehr, man muss mehrmals ein wenig hoch und wieder runter ins Tal. In Erdmannsdorf lasse ich mich von einem Radwegschild in die Irre führen. Auf keinen Fall dort lang fahren, lieber den kleinen Anstieg auf der Hauptstraße in Kauf nehmen! Der "Radweg" verwandelt sich auf der rechten Seite der Zschopau immer mehr zu einem Wanderweg, das war schon etwas frustrierend. Und solche Erinnerungen nimmt man dann von Radfahr-Deutschland mit nach Hause.

Flöha 18:47 Uhr, 216km
In einer Stunde fährt der IRE nach Dresden, genug Zeit, sich nach Nahrung umzuschauen. Der (viel zu kurze) Zug war brechend voll. Ich stehe zusammen mit einem anderen Radfahrer die knappe Stunde genau in der Zugmitte auf dem Gelenk des Triebwagens. Na, gesessen habe ich genug! Trotzdem ein dickes "Daumen runter" für die Bahn, die es nicht hinbekommt, an einem Schönwettertag die Züge mal doppelt so lang zu machen.

So, als Fazit kann ich sagen: Ich habe meinen Lieblingsradweg gefunden! Die Erzgebirgsmagistrale ist wunderschön, man kann sie genießen oder auch sportlich entlangheizen. Man hat fast überall seine Ruhe. Und die Ausblicke in die Berglandschaft sind herrlich. Wer die Strecke auch mal fahren will, aber nicht gleich 200km schafft, dem empfehle ich die Eisenbahn nach Altenberg, und dann die Magistrale soweit wie es die Kraft hergibt. Man kann auch ab Bärenstein wieder in den Zug, dann sind es etwa 120km.
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