Ještěd-Radtour 2007

Im Jahr 2004 bin ich schon einmal zum Ještěd geradelt. Diesmal habe ich mir aber eine wesentlich schönere Strecke ausgesucht.

Hinweg: Dresden - Elberadweg - Schmilka - Růžová - Česká Kamenice - Kytlice - Horní Světlá - Jablonné - Křižany - Ještěd (128 km)

Rückweg: Ještěd - Liberec Karlov - Chrastava - Hrádek nad Nisou - Olbersdorf - Waltersdorf - Dolní Podluží - Chřibská - Schmilka - Elberadweg - Dresden (143 km)

Ještěd in Wolken von Horní Světlá aus gesehen
Der Ještěd zeigt sich noch in Wolken verhüllt
Blick auf Jablonné
Blick auf Jablonné, im Hintergrund der Hochwald
Dresden 5:50 Uhr, 0 km
Los ging es um 5:50 Uhr, bei klarem Himmel und 15°. Es sollte nicht das typische blauer-Himmel-warm-und-Ostwind-Wetter werden, sondern eher Wind aus SW und mit geringer Wahrscheinlichkeit auch mal ein wenig Regen. Das mit dem Wind stimmte auch, das mit dem Regen trat zum Glück nicht ein. In aller Ruhe kann ich auf der B172 nach Heidenau, ab da Elberadweg bis Königstein und dann wieder auf der B172 bis nach Schmilka rollen. Nur in Rathen muss ich an der Schranke anhalten, wo ich ganze 5 Minuten brauche, um auf die Idee zu kommen die Unterführung des Bahnhofs zu nehmen. Die Schranke war wohl eher für den Fall unten, dass zufällig mal ein Zug kommt. Oder einfach nur, um mich zu ärgern. Beim Blick auf die Uhr in Königstein stelle ich fest, dass ich es mit der Abkürzung über Struppen schon mal in 10 Minuten weniger von Dresden bis hier her geschafft habe.

Hřensko 7:30 Uhr, 47 km
An der Grenze. Ich bin nicht mal alleine hier. Aber die bunten Buden im Ort haben alle noch geschloßen. Ich fahre links die Kamenice entlang und dann scharf rechts hinauf nach Janov. Durch Růžová geht es wieder hinab ins Kamenice-Tal und nach Česká Kamenice. Da die Trikottaschen noch voll sind, fahre ich durch. Ab hier geht es eine ganze Weile auf dem Radweg 21 - am Ortsende gerade aus, die kleine Straße nach Kytlice. Es beginnt ein wunderbarer Abschnitt des Kamenice-Tals, die Straße ist kaum befahren. Grüne Wiesen, waldige Hänge und Felsen - das Übliche eben. Gelegenheit für die erste Futterpause. Es geht leicht bergan, bis man in Nová Huť eine Hauptstraße überquert. Ab da geht es wellig weiter bis nach Horní Světlá.

Horní Světlá 9:30 Uhr, 88 km
Die Lausche grüßt. Hier auf 560 Metern ist der erste Blick bis zum Tagesziel möglich. Der Gipfel liegt in den Wolken, der Turm ist nicht zu sehen. Auf dem Radweg 21 geht es weiter durch Mařenice bis nach Jablonné.

Mali vor dem Turm des Ještěd
Der glückliche Radfahrer am Ziel
Liberec und Seilbahn
Blick hinab nach Liberec
Jablonné v Podještědí 10:00 Uhr, 100 km
Jablonné ist groß genug, dass es hier auch am Sonntag einen offenen Lebensmittelladen geben muss. Nur wo? Direkt am Markt gibt es nichts. Die Straße, die an der prächtigen Kirche mit der Kuppel vorbei führt ein Stück entlang geradelt, dann ist rechts ein kleiner Laden. Der hat immerhin bis 11:30 Uhr auf. Das reicht für den Hinweg. Ich schnappe mir die letzen zwei Mohnhörnchen, einen Apfel und eine Flasche Wasser. Aus Jablonné raus hilft wieder Radweg 21: über Doubnice nach Křižany. Unterwegs trifft man häufig Radfahrer - soviele sehe ich bei Touren im Erzgebirge auf deutscher Seite nie. Die Tschechen sind beim Thema Radfahren wohl ein gutes Stück vorraus. In Křižany gibt es am Ortsende die letzte Pause vorm Ziel. Danach geht es in den angenehm zu fahrenden Anstieg. Noch 500 Höhenmeter Serpentinen in Asphalt, und selbstverständlich auch einige Radfahrer.

Ještěd 12:10 Uhr, 128 km
Hoppla, schon oben! Das ging ja fix. Nur 6:20 gebraucht. Aber ich hatte ja auch Rüchkenwind. Ich bin gar nicht k.o., der Berg war heute sehr zahm. Die Sicht ist nicht so gut wie bei meinem letzten Besuch. Trotzdem wird natürlich geguckt, werden bekannte und unbekannte Berge am Horizont identifiziert. Bezděz, Ralsko, Studenec, Luž, Jizera und da, ist das irgendwo die Sněžka? Hm, das Riesengebirge ist doch etwas im Dunst.

Etliche Fotos später trete ich 13:00 die Heimreise an. An der Kreuzung auf dem Pass überlege ich, wo es lang gehen soll. Von links bin ich gekommen, gerade aus führt ein Radweg mittelmäßiger Qualität durchs den Wald des Ještěd-Gebirges hinab, und rechts gibt es die Straße steil runter nach Liberec. Ich nehme letzeres, aber merke mir den Weg durch den Wald für das nächste mal. Nachdem ich unten an der Seilbahnstation (bzw. Endhaltestelle der Straßenbahn) vorbei gekommen bin, heißt es Augen auf: Ich will nicht bis nach Liberec hinein, sondern im Süden rüber zur Lužicka Nisa (Neiße). Mehr oder weniger gut gelingt es mir über Karlov nach Machnín zu kommen. Von dort nach Chrastava, aber nicht der Ausschilderung folgend, sondern links, der Neiße folgend vorbei an Hamrstein. Ab Chrastava kann ich den Radweg 14 (Oder-Neiße-Radweg!) bis nach Hrádek schön gemütlich rollen.

Hrádek nad Nisou 14:30 Uhr, 165 km
Endlich Mittagessen! Schnell entscheide ich mich für eines von den beiden Restaurants auf dem Marktplatz. Es gibt lecker Spaghetti Carbonara und Tomatensalat dazu. Hinterher gehe ich noch einkaufen. Mit Wasser, einem riesengroßen Apfel wie aus dem Märchenbuch, einem Brötchen und einer (superleckeren) Quarktasche verlasse ich den Laden. Eine Stunde habe ich in Hrádek zugebracht, aber es hat sich gelohnt. Ich fahre wieder an die Neiße, zum Fußgänger-Grenzübergang nach Hartau. Nördlich der Gipfel des Zittauer Gebirges kämpfe ich gegen den Westwind an und durchquere diesen hübschen Zipfel Sachsens mit seinen auffällig fein herausgeputzten Umgebindehäusern. Von Waltersdorf geht es rüber nach Dolní Podluží und vorbei an der Jedlová nach Chřibská.

Chřibská 17:10 Uhr, 198 km
Die Vorräte, die ich seit Hrádek mit mir rumfahre, werden endlich verspeist. So langsam kann ich mir aussrechnen, wann ich wieder in Dresden sein kann. Um es noch bis 20:00 Uhr zu schaffen, muss ich aber ganz schon durchziehen. Auf dem Stück bis Jetřichovice ist das auch etwas anstrengend. Da geht es immer wieder mal kurz steil auf und ab, quer durch den Sandstein. Aber Landschaftlich sehr nett. Danach wird es flacher, ab Mezní Louka geht es nur noch runter bis nach Hřensko. Ab hier wie auf dem Hinweg, Elberadweg entlangheizen. Von der Schranke in Rathen lasse ich mich diesmal nicht veralbern, ich nehme gleich die Unterführung - mit mäßigem Erfolg. Irgendwie lässt sich mein Körper die über 200 km nicht anmerken und ich lege diese Strecke so schnell wie auf dem Hinweg zurück.

Dresden 19:55 Uhr, 271 km
Reichlich 14 Stunden für diese Tour. Das ist wesentlich weniger, als ich beim ersten mal gebraucht habe. An mir liegt es nicht! Es ist das neue Rad, fährt fast von allein (nur bei Gegenwind nicht). Aber das allerbeste ist: ich bin nur wenig erschöpft. Ich habe es zum ersten mal hinbekommen, auf einer Tour über 200 km richtig zu Essen. Die Stunde in Hrádek habe ich auf dem restlichen Weg wieder rausgeholt.

Also, ein richtig schöne Tour, zur Nachahmung durchaus empfohlen. Es gibt ja in Schmilka oder Zittau auch einen Bahnhof. Der Ještěd jedenfalls lohnt sich immer. Und eigentlich wäre ich am liebsten gleich weiter gefahren, durch Iser- und Riesengebirge...
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