Fichtelberg-Radtour II

Letztes Jahr hat es nicht geklappt, also hab ich mich dieses Jahr nochmal ran gemacht. Sobald es Juni war, habe ich ständig den Wetterbericht verfolgt, um einen geeigneten Tag zu finden - lauhe Nacht (15 Grad), warmer Tag (25..30 Grad - im Gebirge ist's ja immer kühler). Der 10. Juni sollte zwar früh recht kalt werden, aber dafür hatte ich den Tag frei (es war der Tag nach dem Pfingstmontag). Also bin ich am 9. zeitig ins Bett, um früh fit zu sein. Es war aber eine Qual, bei der Hitze zu versuchen einzuschlafen.
Bei meinem zweiten Versuch habe ich fast alles anders gemacht: Hier ein Streckenprofil, damit man sich das alles ein wenig besser vorstellen kann. So wirklich flach sieht die Strecke nicht aus. Ist sie auch nicht. Der große Vorteil liegt jedoch darin, dass die letzen 55 km des Rückwegs, die ich im dunkeln und in schlechter Verfassung (physisch und psychisch) zurücklege fast nur noch runter gehen. Interessant ist vielleicht noch, dass es drei Orte gibt, die auf etwa gleicher Höhe, jedoch in ganz anderen Regionen liegen: Dippoldiswalde an der Weißeritz, Pockau an der Flöha und Wolkenstein/Schönbrunn im Zschopautal liegen auf etwa 400 m. Aber wie das so ist, liegen zwischen den Tälern recht hohe Berge...
Streckenprofil

(Die Entfernungsangaben sind mit Karten gemessen, nicht die wirklich gefahrenen)


Dresden 4:50 Uhr, 0km
Ich starte, die Sonne geht gerade auf, so dass ich schon ohne Licht fahren kann. Die Vögel zwitschern laut, die Straßen sind ruhig, es ist kalt - nur 10 Grad. Ich rolle Richtung Osten (!!), um ins Lockwitztal zu kommen.

Kreischa 5:20 Uhr, 12km
Im Lockwitztal ziehen einige Nebelschwaden durch, in deren Nähe es empfindlich kalt ist. Aber mit der Zeit werde ich warm. Hinter der Hirschbachmühle biege ich rechts ab, ins Hirschbachtal. Dort geht es hoch und dann (nur wenig) runter ins Tal der Wilden Weißeritz. Zwischendurch erhasche ich die ersten Sonnenstrahlen, die es noch nicht bis runter ins Tal geschafft haben.

Dippoldiswalde 5:57 Uhr, 26km
Ab Dipp's fahre ich Bundestraße. Der Berufsverkehr hat schon eingesetzt, aber es noch nicht so viel los. Es gibt immer noch einseitige Sperrungen wegen des Hochwassers.

Schmiedeberg 6:20 Uhr, 33km
Hier biege ich rechts ab, ins Pöbelbachtal. Die Straße wird noch gebaut, aber mit dem Rad ist das kein Problem. Langsam wird es merklich steiler.

Der Becherbachweg
Der Becherbachweg"
Straßenkreuzung Oberpöbel 6:47 Uhr, 41km
Hier sind die beiden Weißeritz-Flüsse ganz nah aneinander. Über einen recht flachen Bergrücken komme ich rüber ins Tal der Roten Weißeritz. Hinter Seyde biege ich rechts den Becherbachweg ein. Dieser ist zwar keine asphaltierte Straße, aber ein festgefahrener Waldweg, der sich prima fährt. Es geht nun deutlich hoch, ich nähere mich dem Erzgebirgskamm.

Neuhermsdorf 7:13 Uhr, 47km
Ich kreuze die Straße von Hermsdorf nach Rehefeld-Zaunhaus. Direkt an der Grenze verläuft parallel zur Skiloipe der Fernradweg Bayreuth-Zittau. Der Weg ist hier allerdings eher schlecht - steinig und voll böser Schlaglöcher. Er verläuft jedoch recht eben (leicht runter), da die Skiloipe auf einem ehemaligen Eisenbahndamm entlagführt.

Teichhaus 7:27 Uhr, 51km
Am Teichhaus biege ich links ab (aber nicht den ersten Weg, der ist nicht asphaltiert). Dieser Weg - die Torfstraße - führt anfangs steil bis auf über 750 Höhenmeter herauf. An der Fischerbaude (Fischen auf dem Erzgebirgskamm??) halte ich mich links, um auf dem Ringelweg (oder kurz "Ringel") auf etwa gleichbleibender Höhe oberhalb von Cämmerswalde rauszukommen.

Am Ringelweg, oberhalb von Cämmerswalde 7:53 Uhr, 59km
Nun beginnt eine lange rasante Abfahrt. All die ganze schöne Höhe schmilzt binnen weniger Minuten dahin. Von den 720 Höhenmetern bleiben gerade mal 550 übrig. Ich befinde mich im Tal der Flöha, kurz hinter der Rauschenbachtalsperre. Dieses Tal fahre ich - so seltsam es klingt - runter. Die Flöha entzieht sich dem allgemeinen Trend der Flüsse im Erzgebirge nach NNW abzufließen - sie verläuft sogar ein gutes Stück parallel zum Kamm in Richtung WSW! Das bedeutet allerdings auch, das ich weitere wertvolle Höhenmeter verlieren werde. In Pockau werden nur noch 400 übrig sein.

Neuhausen 8:13 Uhr, 67km
Hier gibt es ein Schloss und allerhand anderes Sehenswertes, aber ich verweile nur kurz. Im Tal komme ich sehr flott voran.

Olbernhau 8:51 Uhr, 79km
Auch hier mache ich nur ein kurze Rast auf dem Marktplatz. Ich schaue mich nach Lebensmittel- und Getränkeläden um, die ich auf dem Rückweg (vor Ladenschluss) ansteuern kann.

Pockau 9:16 Uhr, 90km
In Pockau biege ich links ab, ins Tal der Schwarzen Pockau. Es geht leicht bergan, vorbei an der Burgruine Lauterstein. Ein kleines Seitental führt mich dann hinauf in Richtung Marienberg.

Marienberg 9:57 Uhr, 101km
Auf dem Marktplatz mache ich meine erste große Pause. In einem kleinen Lebensmittelladen kaufe ich Obst, Joghurt und Mineralwasser. Das Wasser fülle ich sofort ab, denn ich muss (dank Dosenpfand) die Flasche hier wieder abgeben. Aber ich hätte sie sowieso nicht untergebracht. So mache ich auf dieser Tour eingehende Erfahrung mit dem Pfandsystem verschiedener Geschäfte. Erst 10:30 fahre ich wieder los, jedoch erst mal in die falsche Richtung. Von Marienberg aus führen 3 Bundesstraßen in westliche Richtungen. Nunja, ich habe mich für die falsche entschieden. Erst als ich auf der Lautaer Höhe bin, merke ich den Fehler (hm, die Sonne steht irgendwie in der falschen Richtung...). Macht aber nix, unten im Ort ist ja die Kreuzung, da muss ich eben anders abbiegen. Die (diesmal richtige) Straße geht nach Wolfsberg hoch und dann steil runter ins Zschopautal.

Zschopautal unterhalb von Wolkenstein 11:00 Uhr, 113km
Ab hier geht es ganz gemütlich im Tal der Zschopau auf einem extra Radweg entlang. Eine Brücke fehlte zwar (letztes Jahr war sie noch da...), aber 50 Meter daneben war zum Glück noch eine andere.

Wiesenbad 11:37 Uhr, 121km
Hier gehe ich wieder mal einkaufen, esse kurz was und fahre ins Tal des Pöhlbachs. Dieses Tal fürt relativ flach - aber lang - hoch nach Oberwiesenthal. Ich bin teilweise nur mit 12 km/h dahingekrochen, da ich auch noch Gegenwind hatte.

Oberwiesenthal 13:35 Uhr, 150km
Endlich kann ich den Gipfel deutlich sehen. Die Serpentienen geben mir die Chance, auch mal Rückenwind zu nutzen. Den Gipfel vor Augen ziehe ich den Anstieg durch, auch wenn's weh tut. Trotz kühler Luft - die Sonne brennt. Im Tal war das Klima doch angenehmer.

Fichtelberg 14:12 Uhr, 156km
Endlich oben! Trotz das ich später losgefahren bin, habe ich die Ankunftszeit vom letzten Jahr knapp geschlagen (um 8 Minuten). Ich beobachte die Landschaft (der Blick ist fantastisch, leider aber ein wenig trüb), die (vorwiegend bayrischen) Touristen und wenige andere Radfahrer. Viel ist hier aber nicht los. 14:49 Uhr mache ich mich auf den Rückweg. Ich mache mir Sorgen über die steilen Anstiege des Rückwegs, aber für die nächsten Kilometer ist Ausruhen beim Runterfahren angesagt.

Oberwiesenthal 14:58 Uhr, 162km
Im Ort gehe ich erstmal wieder einkaufen. Dann kann ich recht entspannend im Tal des Pöhlbachs hinabfahren.

Wiesenbad 16:17 Uhr, 191km
Nachdem ich mir etwas Joghurt und Pumpernikel gekauft habe, setze ich mich an dem Zschopauradweg auf eine Bank und tanke dringend benötigte Energie für den Anstieg, der mich in Wolkenstein erwartet. Diesen meistere ich besser, als erwartet.

Marienberg 17:53 Uhr, 205km
Diesmal fahre ich durch Marienberg einfach durch, hinunter ins Tal der Schwarzen Pockau und dann ins Flöhatal.

Olbernhau 18:44 Uhr, 226km
An einem Getränkestützpunkt kaufe ich zum letzten mal ein. Eine letzte Rast gibt mir Kraft für den letzten Berg in Cämmerswalde. Ich glaube, ich hatte Rückenwind, denn es lief super. Meine Befürchtungen, ich könnte an den Bergen des Rückwegs schlapp machen, erwiesen sich als unnötig.

Am Ringelweg, oberhalb von Cämmerswalde 20:36 Uhr, 250km
Nun geht es fast nur noch runter! Trotz leichten Hungers esse ich nichts mehr, denn ich will so schnell wie nur möglich nach Haus.

Teichhaus 21:00 Uhr, 258km
Ich bin froh, dass es noch hell genug ist, um den schlechten Weg deutlich zu erkennen. Wäre es dunkel, hätte ich hier viel vorsichtiger fahren müssen und Nerven hätte es auch gekostet. Auch den Becherbachweg kann ich noch ohne Licht fahren.

Oberpöbel 21:35 Uhr, 268km
Hier esse ich den letzten Müsliriegel (nicht den letzten den ich mit hatte). Licht mache ich auch an. Aber ich darf nicht zu lang verweilen, die Müdigkeit ist deutlich - da hilft nur eins: weiterfahren. Im Tal ist es schon empfindlich kalt, aber ab Schmiedeberg ist es wieder deutlich wärmer.

Dippoldiswalde 22:30 Uhr, 283km
Nun noch ein letzter winziger Berg und ich bin fast zu Hause! Die Straßen sind sehr finster - mein Fahrradlicht wird bitter benötigt. Sonst würde ich nix mehr sehen. Irgendwo im Lockwitztal überquere ich die magische 300km-Marke.

mein Tacho zum durchclicken
mein Tacho zum durchclicken
Dresden 23:35 Uhr, 308km
Ich bin da.
Wahnsinn.
Nur 18 Stunden und 45 Minuten habe ich gebraucht. Das bedeutet mit Pausen einen Schnitt von 16,45 km/h.
Ohne 22.21 km/h.
Ich bin fast 5 Stunden nicht gefahren. Keine Ahnung wie das zustande gekommen ist.

Nun, was habe ich davon eingentlich gehabt? Tja...
[ addr: 54.158.7.152 | cnt: 355346 | usr: 703ms | sys: 66ms ]