Fichtelberg-Radtour I

Das Fichtelberghaus
Das Fichtelberghaus
Auf der Radtour 2001 hatte ich irgendwann mal den Gedanken, eine richtig lange Radtour zu machen. 200 km schienen mir zu wenig, da ich 150 km mit Gepäck schon problemlos bewältigt hatte. Also 300 km ? Dann aber bitte schön flach! Elberadweg, Leipzig und zurück? Hm, mir fehlte ein Ziel. Etwas, für das es sich lohnte, ewig im Sattel zu sitzen. Irgendwann fiel mir dann der Fichtelberg ein. Nicht gerade flach, aber ein wirklich tolles Ziel. Das es nun auch etwa 300 km Hin- und Rückweg sind, ist nur Zufall. Das Ziel stand fest: ein langer Sommertag (Juni, Juli) musste her und dann um vier auf und davon zum Fichtelberg. Das es nicht beim ersten mal klappen würde, dachte ich mir schon. Schließlich muss ich die "optimale" Route finden.

Ich wollte am Wochende fahren, weil ich in der Woche wenig Zeit habe. Mein Ziel war es, noch vor Ladenschluss; auf dem Gipfel gewesen zu sein, um noch Getränk für den Rückweg kaufen zu können. Nur wann ist Ladenschluss in Oberwiesenthal? Ich hoffte so auf 9 bis 10 Stunden für ein Strecke (50 km in 3 Stunden klingt doch realistisch). Als Route wählte ich den "günstigsten" Weg zum Zschopautal und dann immer am Fluss lang bis hoch (Die Zschopau entspringt am Nordhang des Fichtelberges). Nur leider ist die Strecke von Dresden bis ins Zschopautal sehr bergig: Ständig fährt man quer zu den Flüssen (und Bergrücken).
Nachdem nun alles so schön geplant war, musste ich nur auf den richtigen Tag warten. Die Wahl viel auf Samstag den 1. Juni, kurzfristig natürlich, weil alles vom Wetter abhängt. Einen Tag eher, also Freitag, stand ich zu angewöhnen schon mal um 3 Uhr auf, fuhr, um nicht einzuschlafen, nach Moritzburg und kaufte auf dem Rückweg Brötchen. Abends versuchte ich so zeitig wie möglich einzuschlafen, um am nächsten Tag möglichst wach und frisch zu sein. Ich glaub, so irgendwann nach 20.30 schlief ich. Am nächsten morgen stand ich wieder um 3 auf, um möglichst um 4 loszufahren. Ich nahm mir 4 Brötchen, 2 Liter Wasser bzw. Apfelschorle, Müsliriegel und etwas Obst mit. Dazu eine Jacke und eine lange Hose, denn nachts war es noch ganz schön kühl. So kam es dann, dass mein Rad recht vollgepackt war.

Dresden 4:10 Uhr
Ich fahre los. In Dresden ist es ruhig. Sogar in Freital, wo sich sonst unmassen an Autos die Hauptstraße entlangquälen. Ich muss natürlich noch mit Licht fahren, die Sonne geht aber bald auf.

7:20 Uhr: Ewiges Bergauf-Bergab auf dem Hinweg
7:20 Uhr: Ewiges Bergauf-Bergab auf dem Hinweg
Tharandt 5:00 Uhr
Noch wenige Kilometer, und mich erwartet der erste Berg: Aus dem Tal der Wilden Weißeritz hoch nach Klingenberg. Oben ist es ganz schön kalt, ich wünsche mir fast schon Handschuhe. Die Sonne nimmt sich Zeit. Doch bald kann ich auf das Licht verzichten. Wärmer wird es aber noch nicht. Zudem geht es ständig hoch und runter, das schlaucht ganz schön.

Hilbersdorf 6:10 Uhr
Ich fahre einen Fuß- und Radweg durch die Industrieanlage Muldenhütten. Der weitere Weg ist jedoch sehr schlecht: felsig und steil bergauf, fast wie ein ausgtrocktneter Bergbach im Sommer. Oben schlängle ich mich Richtung Brand-Erbisdorf durch ein Labyrinth von Straßen, die alle nach Freiberg führen.

7:50 Uhr: Blick auf die Augustusburg
7:50 Uhr: Blick auf die Augustusburg
Brand-Erbisdorf 7:00 Uhr
Die ersten 50 km sind geschafft. In 3 Stunden. Ich liege also gut in der Zeit. Nun fahre ich durch Sankt Michaelis nach Gahlenz. Auf dem Bergrücken zwischen Lößnitzbach und der Flöha kann ich die ersten Sonnenstrahlen erhaschen und einen Blick auf die Augustusburg genießen.

Hohenfichte 8:00 Uhr
Nun klettere ich aus dem Tal der Flöha hinauf um auf der anderen Seite ins Zschopautal zu gelangen. Dort Angekommen begrüßt mich eine Baustelle. Im Glauben, diese sei auch für Radfahrer unüberwindbar, wähle ich als Alternative die Straße durch Witzschdorf. Ein fataler Fehler. Zwei Kilometer Kopfsteinpflaster mit 17% Steigung warten auf mich.

9:00 Uhr: Witzschdorf. Auch runter würde es keinen Spaß machen
Witzschdorf 9:00 Uhr
Mächtig kaputt komme ich am oberen Ortsende an. Dieser Anstieg war der mit Abstand schlimmste den ich je gefahren bin. Also, wer Spaß an sowas hat, dem sei Witzschdorf an Herz gelegt, den anderen kann ich nur abraten.

Zschopau 9:30 Uhr
Hier werde ich die unnütz erworbenen Höhenmeter gleich wieder los. In Zschopau rase ich ins Tal runter und - Auweia! - nehme ein Schlagloch bei mehr als 50 km/h mit. Ich höre etwas Schleifen an meinem Hinterrad. Vollbremsung. Das Hinterrad blockiert. Für einen Moment war die Aktion Fichtelberg fast abgebrochen. Die Felge vom Hinterrad hat eine ordentliche, nach außen gebogene Delle abgekriegt, in die sich dann mein Bremspad reinbohrte. Dank Imbusschlüssel schaffte ich es, die Bremse so zu justieren, dass ich erstmal weiterfahren kann. Mit der Delle fahre ich noch heute (Januar 2003). Aber die Aktion Baustelle-Witzschdorf-17%-Zschopau-Delle hat mich eine Menge Zeit und Nerven gekostet. Dafür kann ich nun ganz locker durch das Zschopautal fahren und mich von dem Schrecken erholen.

Scharfenstein 9:47 Uhr
90 Kilometer sind geschafft. Ich gönne mir wieder eine Pause. Ich bin etwas hinter der Zeit, aber es geht gut voran. Die Straße im Tal stark befahren, aber relativ flach. Zwischen Wolkenstein und Wiesa verlasse ich die Hauptstraße und fahre auf einem Radweg, abseits des vielen Verkehrs nach Wiesenbad. Von dort führt eine sich im Tal schlängelnde, kaum befahrene Straße weiter.

13:30 Uhr: Die Fahrwege nördlich des Fichtelbergs sind gut zu fahren
13:30 Uhr: Die Fahrwege nördlich des Fichtelbergs sind gut zu fahren
Wiesa 11:40 Uhr
Ich verfahre mich in dem Kreuzungsgewirr hinter Wiesa, aber finde dann doch die Straße, die mich über Schlettau immer leicht bergauf nach Crottendorf führt.

Crottendorf 12:35 Uhr
130 km sind es bis Crottendorf, wo ich in den Wald fahre, um mich auf komfortablen Fahrwegen dem Fichtelberg zu nähern. Schnell geht es nicht mehr voran, aber es geht voran. Das letzte Stück auf der Straße zum Gipfel macht auch wieder richtig viel Spaß. Das Ziel vor Augen drehe ich noch mal richtig auf. Es gibt auch andere Radfahrer, die hier hoch fahren. Aber sie kommen bestimmt nicht alle aus Dresden...

14:10 Uhr: Die letzten Meter zum Ziel
14:10 Uhr: Die letzten Meter zum Ziel
Fichtelberg 14:20 Uhr
Geschafft! Und geschafft bin ich auch. Aber welch tolles Gefühl endlich oben zu sein. Ich quäle mir etwas zu Essen rein, schaue mich ein bisschen um, schreibe Postkarten und plötzlich ist es schon nach 15 Uhr! Oje, die Startzeit für den Rückweg war eigentlich mit 14 Uhr vorgesehen. Ich mache mich auf (eher ab, es geht steil runter) nach Oberwiesenthal.

Oberwiesenthal 15:30 Uhr
Hm, kein Laden hat mehr offen. Noch reicht mein Flüssigkeitsvorrat, aber wie lange noch? Auf der Hauptstraße halte ich es nicht lange aus, in Hammer-Unterwiesenthal biege ich links ab und fahre nach Kretscham-Rothensehma.

Neudorf 16:00 Uhr
Ich kann ganz entspannt das Tal der Sehma runterfahren. In Cranzahl komme ich an einem Imbiss vorbei, wo ich mich mit leckerer Obsttorte füttere. An einer Tankstelle leiste ich mir eine Flasche Mineralwasser. Langsam wird es spät. Ich spiele verstärkt mit dem Gedanken, nur bis Flöha zu fahren. Den Fahrplan der Bahn hab ich einstecken. Ab Wiesa fahre ich den gleichen Weg wie auf dem Hinweg.

Scharfenstein 18:10 Uhr
Die 200km-Marke ist erreicht. Ich mache so richtig lange Pause. Mein Ziel ist Flöha. Die Gedanken an die bergige Strecke bis Dresden und der Zustand meiner Beine bringt mich zu dieser Entscheidung. Heute frage ich mich manchmal, ob ich es nicht doch geschafft hätte. Aber was soll's. Ich hab eine Menge Erfahrung gesammelt ... für das nächste mal. Ich fahre weiter nach Zschopau, vorbei an dem tückischem Schlagloch, so wie auf dem Hinweg.

Witzschdorf 19:17 Uhr
Schon wieder dieser Ort! Ich Fotografiere das Schild (siehe Bild weiter oben) und fahre weiter. In Erdmannsdorf (?) treffe ich zwei Radfahrer. Sie erkundigen sich nach dem Weg nach Flöha. Irgendwie finden wir dann raus, dass wir alle drei mit dem Zug Richtung Dresden fahren wollen. Ich gebe den Zweien die Abfahrtszeiten des Zuges. Wir trennen uns, jedoch sicher, uns auf dem Bahnhof wieder zu sehen.

Flöha 19:45 Uhr
Nach 225 km beende ich die Tour. Die zwei Radfahrer finden sich auch bald ein und wir kämpfen gemeinsam gegen den Fahrkartenautomaten. Der jedoch ergibt sich bald, er ist einfach kaputt.

Mein Tacho nach knapp 230 km
Mein Tacho nach knapp 230 km
Regional-Express nach Dresden 20:17 Uhr
Der Schaffner versorgt uns mit Fahrkarten. Bald finden wir heraus, dass die zwei auch zum Fichtelberg wollten, auch aus Dresden kommen und auch Informatik an der HTW studiert haben. So ein Zufall aber auch. Sie fragen mich, wie es denn den Professoren geht... Seltsam, man könnte fast meinen, Informatiker sitzen gar nicht den ganzen Tag vor dem Computer und währen gar nicht lichtscheu. Aber das hier ist sicher ein ganz ganz dummer Zufall, drei Ausnahmefälle sind sich hier begegnet. Na jedenfalls war es recht lustig, aber ich mußte mich doch stark gegen die aufkommende Müdigkeit verteidigen.

Dresden irgendwann nach 22:00 Uhr
Die letzten Kilometer vom Bahnhof nach Hause schleppe ich mich nur noch. Zum Glück ist es nicht so weit.



Schade, dass ich es nicht geschafft habe, aber 2003 will ich nochmal losziehen. Dann jedoch ganz anders:
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