Radtour durch das Böhmische Mittelgebirge

Dresden - Petrovice - Ústí nad Labem - Böhmisches Mittelgebirge - Litoměřice - nochmal ein wenig Mittelgebirge - Elbe - Děčín - Petrovice - Erzgebirgskamm - Zinnwald - Dresden (221 km, 3400 Hm)

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Endlich habe ich den östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges erkundet. Die Berge des Westteils kenne ich von der Tour zur Milešovka und einer anderen Tour zur Burgruine Hazmburk (auch sehr empfehlenswert). Was sich aber östlich der Elbe zwischen Ústí nad Labem und Litoměřice tut, davon habe ich bisher nur gelesen. Und ich kann nur bestätigen, dass es ordentlich Steil ist. Dafür bekommt man herrliche Ausblicke, wie den vom Aussichtsturm des Varhošť zum westlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges:

Blick vom Turm des Varhošť zum westlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges
Blick vom Turm des Varhošť (639m) zum westlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges
Aussicht von Nakléřov zur Kletečná und Milešovka
Aussicht von Nakléřov zur Kletečná und Milešovka
Aber nun der Reihe nach: Beim Start in Dresden ist es noch recht frisch, dafür sind die Straßen schön leer. Die Anfahrt geht auf der B172 direkt nach Pirna und dann die Hauptstraße über Berggießhübel nach Petrovice. Es wird Rückenwind aus nördlichen Richtungen serviert, was die Auffahrt sehr angenehm macht. Oben in Nakléřov (übrigens ist hier die Grenze zwischen Elbsandsteingebirge und Erzgebirge) gibt es eine feine Aussicht nach Süden zu den Kegelbergen Kletečná und Milešovka im westlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges. Und im Osten sind Klíč und Ještěd zu sehen. In der Abfahrt biege ich links ab nach Knínice, überquere die Hauptstraße 13 und komme auf die 528, der man einfach nach Ústí folgen kann. Aus irgend einem Grund habe ich mich aber für eine Variante über Arnutolvice und Chuderov entschieden. So oder so landet man auf der 30 in Ústí und kann sich durch die Stadt bis zur Elbe fallen lassen und letztere geradewegs überqueren. Nach 60 km und zweieinhalb Stunden stärke ich mich kurz, bevor ich direkt auf das unübersehbare Chemiewerk von STZ zu fahre. Dann im Kreisverkehr die zweite Abfahrt und links über die Eisenbahn. Erst geht es durch ein Industriegebiet und dann ein recht grünes Wohnviertel hinauf. Irgendwo biegt rechts die Tolstého und dann gleich unscheinbar links die Novoveska ab. Dieser Straße folge ich nun eine Weile. Naja, ich kämpfe eher den Berg hinauf: bis zu 17% werden hier geboten. Ab Nová Ves wird der Straßenbelag zusehens schlechter, dafür gibt es erste schöne Fernblicke. Irgendwo im Wald verabschiedet sich der Asphalt vollständig und macht Platz für Schotter. Mit der Alternativroute über Kojetice kann man also sowohl Mensch als auch Maschine schonen. Und man verpasst bestenfalls Fuchs und Hase, die sich hier Guten Morgen sagen. Außerdem kann man hier zwischen der "Straße" und abzweigenden Wanderwegen nicht wirklich unterscheiden, so dass ich sehr froh bin, eine genaue Karte aus dem Radatlas mit verzeichneten Wanderwegen dabei zu haben. Kurz vor Malečov treffen beide Varianten zusammen. Vor Tašov bietet sich ein feines Bergpanorama nach Norden: Am Horizont der Sněžník und der Große Winterberg, davor die Berge des Nordwestzipfels des Böhmischen Mittelgebirges rund um den Javorský vrch und das Elbtal.
Zwischen Malečov und Tašov
Im Böhmischen Mittelgebirge zwischen Malečov und Tašov, am Horizont der Sněžník und der Große Winterberg
Hinter Tašov biege ich rechts ab nach Čeřeniště. Es geht erst leicht hoch, aber hinter dem Ort gibt es nach einer Linkskurve eine kurze bissige Rampe mit bis zu 18% Steigung. Dann kommt gleich der Parkplatz am Aufstieg zum Varhošť. Es sind etwa 500 m die man von dort noch bis zum Aussichtsturm laufen muss. Für Mountainbike-Fahrer sind die auch machbar, aber mit dem Rennrad muss es wirklich nicht sein. Der Aufstieg lohnt sich, es bietet sich ein wunderbares Panorama zu den Kegelbergen auf der anderen Elbseite und dem Erzgebirgskamm im Hintergrund. Zudem ist von hier oben deutlich zu sehen, dass es bis zur Mittagspause nach Litoměřice nur noch runter geht. Die Abfahrt ist dann auch fix gemacht (einen winzigen Gegenanstieg gab es aber doch noch) und der Hauptstraße folgend lande ich in der Innenstadt. Je nach Zeit und Laune sollte man jetzt eine kleine Stadtrundfahrt einlegen, um sich die Sehenswürdigkeiten von Litoměřice anzuschauen. Zumindest der Marktplatz ist Pflicht. An der Straße, die den Platz im Süden Richtung Ost verlässt, liegt auch ein kleiner Lebensmittelladen. Restaurants und Eisdielen gibt es hier auch genug.
Nach 90 km trete ich nun den Rückweg an. Ich folge einfach Radweg 3066 nach Norden aus der Stadt hinaus. Es geht über Žitenice, Třebušín und Homole u Panny nochmal etwas durch das Mittelgebirge, aber weitaus zahmer und nur bis auf 460 m. Danach rollt es angenehm im Tal des Homolský potok bis hinab nach Velké Březno an die Elbe. Auf dem Flachstück entlang der Elbe nach Děčín bekomme ich es wieder mit dem Nordwind zu tun, nur das er diesmal ordentlich von vorn weht. Auch in Děčín lohnt sich ein Stadtbummel zum Schloss. Der Elberadweg führt hier direkt unterhalb des Schlosses durch einen kleinen Felstunnel. Auf der linken Elbseite beginnt hier der Radweg 23 - die schon oft erwähnte Erzgebirgsmagistrale - dem ich nun bis nach Zinnwald folge. Der Aufstieg zum Ort Sněžník ist recht angenehm zu fahren und in Petrovice gibt es im Supermarkt Nachschub an Lebensmitteln. Optional kann man an der Magistrale natürlich noch die Aufstiege zum Sněžník und zum Mückentürmchen mitnehmen. Von Zinnwald aus fahre ich nach Altenberg und dann meine Standard-Abfahrt über Waldidylle, Falkenhain, Oberfrauendorf und das Lockwitztal nach Dresden zurück. Am Ende waren es dann 221 km und 3400 Höhenmeter.
Eine feine Fernblick-Tour, die man - ohne Schotter - mal wiederholen kann.
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